21.09.2018 - Regierungsbunker-neu-2

Sanitätsraum im Regierungsbunker  

Exkursionsbericht Ahrweiler (19.9.2018)

Der Regierungsbunker in Ahrweiler, Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts erstbezogen. Insgesamt 17 Kilometer Stollen unter rheinischem Schiefergebirge, der Ausweichsitz der Bundesregierung für den Fall eines atomaren Schlages im Kalten Krieg, der dadurch zum heißen geworden wäre. Hierhin zog es die Exkursionsgruppe des Geschichts- und Altertumsvereins, eine Zeitreise in die Ära der Machtblöcke, der Szenarien für den Dritten Weltkrieg.

Schon vor Weltkrieg Nummer eins grub man Röhren durch zwei Anhöhen des Ahrgebirges. Es war die Zeit des Wettrüstens, der kaiserlichen Arroganz, des Denkens, man könne erst den Erzfeind Frankreich - daher der Eisenbahntunnel bei Ahrweiler gen Westen - und dann Russland bezwingen. Schlieffen hieß der Stratege, der sich für das Projekt in der Weinregion stark machte. Der Krieg kam vor Beendigung des Großprojektes, später wurden hier Champignons gezüchtet, in der Nazidiktatur ließ das Regime unter Tage die "Wunderwaffe" V2 zusammenschrauben. Von Zwangsarbeitern aus dem KZ, an die heute eine Metallplatte am Bunkereingang erinnert. Springen wir weiter, zum Gegenüber von NATO und Warschauer Pakt, zum Regierungsbunker. 20 Tonnen wiegen die Tore von MAN, die sich im Fall einer Atom-Konfrontation mit der Sowjetunion und ihren Satelliten hinter 3.000 Auserwählten geschlossen hätten. Der Rundgang durch die Dokumentationsstätte die Geschichtsfreunde aus Siegburg frösteln, erinnerte die Herren zum Teil an eigene Bundeswehrerlebnisse: Dekontaminationsduschen, prähistorische Fernschreiber, ein fußpedalbetriebener Zahnarztbohrer.

Alle zwei Jahre übte die NATO die Ernstsituation, die nie eintraf. Sogar ein "Ü-Bundeskanzler" war bei den Manövern dabei, ein Übungsbundeskanzler. Die Frauen der Funktionsträger hätten im Falle X keinen Zutritt gehabt, was bei Präsidentengattin Eva Köhler, die dies bei der Einweihung des Museums 2008 erfuhr, zu einem ganz schmalen Mündchen führte. Bunkerführerin Iris Söller-Münch machte ihre Sache exzellent. Sie geizte nicht mit humoristischen Details in der klaustrophobischen Enge, erwähnte zur Erheiterung den Chor, den einst die Techniker bildeten. Die "Bunkerlerchen" waren Deutschlands geheimster Gesangverein. Top Secret war alles, was im Wald neben den Weinbergen geschah. So wollten es die Dienstanweisungen. Die Realität sah freilich anders aus. Im Ahrtal wusste jeder Bescheid. Die noch besser Informierten saßen in Ost-Berlin. DDR-Spione umkreisten die Anlage im lieblichen Rheinland des Klassenfeindes dauerhaft. Stasiunterlagen halfen später sogar bei der Einrichtung der Dokumentationsstätte, die übrigens nur ein Prozent des einstigen Tunnelsystems umfasst. Den Rest demontierte der Bund ab den späten 1990ern.

 

 

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